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Döbelner Wärmeplan: Grüne warnen vor "Gasnetz-Kostenfalle" und unrealistischen Biogas-Wetten
Pressemitteilung

19.01.26 –
Döbeln. Die mittelsächsischen BÜNDNISGRÜNEN haben eine Stellungnahme zum Entwurf des Kommunalen Wärmeplans (KWP) der Stadt Döbeln eingereicht. Während die Grünen die frühzeitige Erarbeitung des Plans grundsätzlich begrüßen, üben sie scharfe Kritik an der strategischen Ausrichtung. Der aktuelle Entwurf drohe zur Kostenfalle für Mieter und Hauseigentümer zu werden.
„Die Stadtverwaltung legt eine fundierte Bestandsanalyse vor, doch bei der Strategie für die Zukunft wird es gefährlich vage“, erklärt Markus Scholz, Vorsitzender des Kreisverbandes. „Der vorliegende Plan wirkt wie der Weg des geringsten Widerstands: Er schützt bestehende Gas-Infrastrukturen, statt die Weichen für bezahlbare und effiziente Wärme zu stellen.“
Forderung an die Stadtverwaltung
Der Kreisverband fordert die Stadtverwaltung daher auf, den Plan um ein strombasiertes Szenario zu ergänzen und die Verbraucher über zukünftige Kosten aufzuklären, „damit bezahlbare Energiepreise und Klimaschutz Realität werden“, so Scholz. „Döbeln braucht einen Plan, der echte technologische Vielfalt und Effizienz bietet, statt veraltete Geschäftsmodelle künstlich am Leben zu erhalten. Wir brauchen Planungssicherheit für die Menschen in Döbeln, keine unkalkulierbaren Preisrisiken“, fasst der Vorsitzende Markus Scholz die Stellungnahme zusammen.
Vier Punkte sind besonders kritisch:
1. Die Gasnetz-Kostenfalle für Mieter: Laut Plan sinkt die Zahl der Gasanschlüsse von 3.800 auf 2.400. „Das Problem ist simpel: Die hohen Fixkosten für das Gasnetz bleiben, müssen aber von immer weniger Kunden bezahlt werden. Wer am Gasnetz hängen bleibt – oft Mieter in Gebieten mit Anschlusszwang – muss mit explodierenden Netzentgelten rechnen. Dass der Plan keine Schätzung der künftigen Gaspreise enthält, ist ein Blindflug zulasten der Bürgerinnen und Bürger“, erklärt Josef Nöbauer, Mitglied der Grünen in Döbeln.
2. Riskante Wette auf Biogas ohne „Plan B“: Rund 80 % der Endenergie sollen laut Plan aus Biogas stammen. Das ist bei der Verbrennung technologisch ineffizient und ökonomisch riskant. Zudem fehlt jede Abstimmung mit den Nachbarkommunen, die dieselben Ressourcen einplanen könnten - sodass Döbeln am Ende ohne sichere Energieversorgung dastehen könnte. Hinzu kommt, dass bei möglichen Missernten sich der Preis enorm steigern könnte.
3. Luftschlösser bei der Sanierung: Die im Entwurf angenommenen Energieeinsparungen von 12 % durch Sanierungen halten die Grünen angesichts aktueller Sanierungsraten und Baukosten für unrealistisch. „Wenn diese Einsparungen ausbleiben, bricht das gesamte Versorgungskonzept wie ein Kartenhaus zusammen, da die geplanten Energiemengen dann schlicht nicht ausreichen“, warnt Josef Nöbauer.
4. Teure Nischenprodukte statt echter Konzepte: Für den ländlichen Raum setzt der Plan auf biogenes Flüssiggas (LPG) – ein teures Nischenprodukt, auf das kaum eine andere deutsche Kommune in diesem Ausmaß baut.
Anhang: Stellungnahme des Kreisverbandes Bündnis 90/Die Grünen Mittelsachsen